Der Polarisationsfilter (kurz Polfilter) ist auch in der digitalen Fotografie nach wie vor ein sehr nützlicher Filter. Moderne Bildbearbeitungsprogramme machen zwar einiges in der Nachbearbeitung möglich, dennoch trifft dies auch heute nicht für alle mit einem Polfilter zu realisierenden Effekte zu. Für mich gehört dieser Filter in jede Fototasche eines Landschaftsfotografen. Die verschiedenen Effekte des Polfilters und dessen Einsatzgebiete werde ich in diesem Artikel aus meiner Rubrik Fotoschule näher vorstellen.

Wie funktioniert ein Polfilter?

In diesem Artikel soll es nicht um eine ausführliche Erklärung der Polarisation von Licht gehen, dazu gibt es im Internet unzählige ausführliche Erklärungen (mehr zu dem Thema hier), sondern vielmehr um die Effekte und den Einsatz des Polfilters in der Praxis. Ein wenig Hintergrund zum Verständnis ist aber dennoch notwendig.

Kurz gesagt schwingt Licht naturgemäß dreidimensional. Es schwingt also in verschiedensten Ebenen, bevor es auf den Polfilter trifft. Die Wirkung des Polfilters besteht darin, dass er nur Licht einer Schwingungsebene durchlässt und das übrige Licht herausfiltert. In der Fotografie unterscheidet man zwischen linearen und zirkularen Polarisationsfiltern, von denen heutzutage die zirkularen Filter von Bedeutung sind. Dabei handelt es sich im Prinzip um zwei Glasscheiben zwischen denen sich eine Polarisationsfolie befindet.

Anwendung eines Polfilters

Die meisten Polfilter werden in Form eines Schraubfilters direkt auf das Objektiv geschraubt. Es ist darauf zu achten das der Polfilter die passende Größe zum Filterdurchmesser des verwendeten Objektivs hat. Gegebenenfalls kann man hier auch mit Step-Up Ringen* arbeiten. Ich verwende derzeit den NiSi Landscape Polarizer NC CPL* im NiSi V5-PRO 100mm Filterhalter-System Kit*, da ich von diesem Steckfiltersystem zusätzlich auch noch Graufilter im Einsatz habe. Letztlich wird auch dieses System dann direkt an das Objektiv geschraubt. Weiterhin habe ich mit dem B+W XS-Pro HTC KSM MRC Nano Polfilter* noch einen sehr hochwertigen Filter von B&W im Einsatz, wenn der Filterhalter nicht im Einsatz ist. Ich bin mit diesen Polfiltern sehr zufrieden und kann sie weiterempfehlen.

Der eigentliche Polfilter-Effekt wird dann durch Drehen des vorderen, beweglichen Teils des Filters erreicht, wodurch der Effekt verstärkt bzw. reduziert werden kann. Ein Blick durch den Sucher hilft beim Finden der korrekten Stellung für den gewünschten Filtereffekt. Zu beachten ist aber, dass sich die Verschlusszeit bei gleichbleibender Blende verlängert, da der Polfilter ja Licht zurückhält. Dies macht meist 1-2 Lichtwerte (-1 bis -2 EV) aus. Diesen Umstand kannst du dir aber auch für Motive zum Vorteil machen, bei denen du bewusst eine längere Belichtungszeit realisieren möchtest (z.B. „Wasser einfrieren“).

Effekte des Polfilters

Mithilfe eines Polfilters lassen sich sehr gut ungewünschte Spiegelungen auf Oberflächen reduzieren, Farbsättigung erhöhen und Farbkontraste optimieren. Diese Eigenschaften kann man sich für teils erstaunliche Ergebnisse zunutze machen.

Wichtig:Voraussetzung ist allerdings, dass es auch polarisiertes Licht im Motiv gibt, daher fällt der Effekt mal mehr und mal weniger stark aus.

1. Spiegelungen und Reflexionen reduzieren

Nehmen wir mal das Beispiel du möchtest ein Motiv mit einer Wasseroberfläche aufnehmen. Dabei ist dir sicher schon mal aufgefallen, dass sich oft der Himmel auf der Wasseroberfläche spiegelt. Dies kann durchaus auch ein schönes Motiv sein, jedoch möchtest du gegebenenfalls gerne einen interessanten Grund und/oder Gegenstände unter der Oberfläche in deiner Aufnahme zur Geltung bringen bzw. empfindest die Reflexionen als störend. Genau solche Spiegelungen/Reflexionen des Himmels auf Wasseroberflächen kannst du unter Verwendung eines Polfilters nahezu vollständig eliminieren.

Ich möchte diesen Effekt anhand des Morning Glory Pool im Yellowstone NP (USA) veranschaulichen. Bei diesem Motiv ist ein möglichst tiefer Blick unter die Wasseroberfläche in den Pool wünschenswert, um die wunderschönen Strukturen und brillanten Farben dieser Hot Spring bestmöglich zur Geltung bringen zu können. Schau dir dazu die folgenden zwei überlagerten RAW-Aufnahmen (bewege einfach den Slider) zur Veranschaulichung des eindrucksvollen Effekts des Polfilters an.

Ohne PolfilterMit Polfilter

Ich denke dieses Beispiel veranschaulicht schon mal gut, wie nützlich der Einsatz eines Polfilters sein kann. Ein solches Ergebnis lässt sich nachträglich mit keinem Bildbearbeitungsprogramm erzielen!

2. Farben und Kontrast verbessern

Nicht nur Oberflächen von Wasser reflektieren das Licht, sondern für nahezu alle anderen Objekte wie z.B. Blätter von Bäumen gilt dies genauso. So wirken Fotos z.B. bei grellem Mittagslicht meist blass und kontrastarm, da die Farbintensität durch starke Lichtreflexion abnimmt. Auch hier kann der Einsatz eines Polfilters helfen, um solche Reflexionen zu entfernen und farbintensivere Bilder zu erzeugen.
Zur Veranschaulichung habe ich auch hier zwei RAW-Aufnahmen von einer anderen Hot Spring im Yellowstone NP (USA) übereinander gelegt. Schau dir den sichtbaren Unterschied an.

Ohne PolfilterMit Polfilter

Wie du sicherlich gesehen hast, ist auf dem Bild durch den Einsatz des Polfilters auch das Blau des Himmels intensiver geworden. Das bringt uns direkt zur nächsten nützlichen Anwendung eines Polfilters.

3. Blau des Himmels verstärken

Du hast es bestimmt schon häufig festgestellt: Bei der Fotografie von Landschaften sieht der Himmel auf dem Foto häufig sehr blass aus, in Natura erscheint der Himmel jedoch in einem tiefen blau. Auch das kann mit einem Polfilter geändert werden.

Du konntest den Effekt bereits beim vorherigen Bild der Hot Spring unter Punkt 2 sehen, wobei es noch deutlich stärker geht. Das hängt letztlich von der Situation aber insbesondere auch von Winkel zwischen Sonne und Motiv ab. Am stärksten lässt sich das Blau des Himmels verstärken, wenn sich das Motiv in einem Winkel von 90° zur Sonne befindet. Der Effekt ist schon mit bloßem Auge erkennbar, wie du im nachfolgenden Bild erkennen kannst.

Polfilter

In Kombination mit dem unter Punkt 2 beschriebenen Effekt lassen sich also allein durch den Einsatz eines Polfilters Fotos mit intensiven Farben und guten Farbkontrasten bereits „out of cam“ aufnehmen.

Zusammenfassung

Für mich ist der Polfilter in der Landschaftsfotografie unverzichtbar und gehört zur Grundausstattung. Einige der Effekte lassen sich zwar auch mehr oder weniger gut in der Bildbearbeitung nachbearbeiten, das Entfernen einer starken Reflexion auf Wasseroberflächen zum Beispiel aber nicht. Darüber hinaus möchte ich bestenfalls schon bei der Aufnahme ein möglichst gutes Ergebnis erhalten, da in der Nachbearbeitung am Computer die reale Aufnahmesituation meist nicht mehr präsent ist und die Effekte nicht in der gleichen Weise wie mit dem Polfilter erzielt werden können.

Ich denke du weißt nun wie vielfältig die Wirkung eines Polfilters ist und auch du kannst damit eine Menge anstellen, probiere es einfach aus!

Polfilter Empfehlung

Basierend auf meiner subjektiven Erfahrung mit verschiedenen Polfiltern kann ich folgende Filter empfehlen (passenden Filterdurchmesser für das Objektiv beachten). Natürlich sei erwähnt, dass es noch viele andere gute Polfilter gibt.

NiSi Landscape Polarizer NC CPL* B+W XS-Pro HTC KSM MRC Nano* Hoya Pro1 Digital*

Der Polfilter empfiehlt sich vor allem wenn man das NiSi Steckfiltersystem* sowieso für Graufilter einsetzen möchte.

Sehr hochwertiger und langlebiger Filter; exzellente Qualität.

Gute Qualität bei sehr gutem Preis- Leistungsverhältnis (Preis/Leistungs-Tipp).

Weitere wissenswerte Artikel aus der Reihe der Fotoschule findest du hier: Fotoschule. Eine Übersicht zu meinem verwendeten Foto-Equipment gibt es hier: Foto-Equipment.

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Transparenz:
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